Hausbau in Afrika statt Urlaub am Strand

Hausbau in Afrika statt Urlaub am Strand

Warum Millennials lieber anpacken statt nur auszuspannen

In unserem MJ Blog Artikel Arbeitgeber-Plus Corporate Responsibility haben wir bereits berichtet, dass sich sozialer Einsatz für Unternehmen auch beim Recruitment lohnt: Denn immer mehr Menschen wollen heutzutage einen positiven Beitrag für andere Menschen und die Umwelt leisten – und bewerten potenzielle Arbeitgeber auch danach, ob sie diese Haltung teilen und sie gegebenenfalls bei freiwilligem Engagement unterstützen. Logistik Talent Nadine Schmersahl ist erst kürzlich auf eigene Faust zu einem tatkräftigen Hilfseinsatz nach Südafrika gereist. Was ihr das bedeutet und warum sie denkt, dass Arbeitgeber von solchen Erfahrungen ihrer Mitarbeiter nur profitieren können, erzählt sie in unserem Interview.
MJ: Nadine, Du bist gerade erst aus Südafrika zurückgekommen, wo Du freiwillig an einem Wohltätigkeitsprojekt in Umgababa mitgearbeitet hast. Respekt! Aber wie kam es denn dazu?

Nadine: Eins meiner Ziele für das Jahr 2018 war es, ein soziales Projekt zu unterstützen. Ein guter Freund hatte die Idee, sich gemeinsam bei Habitat for Humanity, zu engagieren. Das ist eine Organisation, die bedürftige Familien in vielen Teilen der Welt eigeninitiativ mit dem Bau von Häusern unterstützt. Als er mir im August 2017 von seinen Plänen erzählte, mit einer Gruppe von Freunden und Bekannten ein Haus für eine hilfsbedürftige Familie im südafrikanischen Umgababa zu bauen, habe ich mich direkt da committed.

MJ: Für Deinen tatkräftigen Einsatz hast Du sogar Deinen Sommerurlaub, also Deine wohlverdiente Freizeit geopfert. Es muss Dir also sehr wichtig gewesen sein.

Nadine: Ja, ich wollte das unbedingt. Ich habe das Glück, in eine Familie geboren worden zu sein, die sehr privilegiert ist und ich hatte immer alles. Mir war es wichtig, Menschen Zeit und Geld zu Gute kommen zulassen, die nicht mal ein Dach über dem Kopf haben. Für uns ganz selbstverständliche Grundbedürfnisse sind für diese Menschen das große Glück.

MJ: Du hast auch eigenes Geld investiert?

Nadine: Ja… Da sich das Habitat for Humanity Projekt nur aus Spenden finanziert, muss aktuell leider jeder Freiwillige selbst für sein Flugticket und seine Versorgung vor Ort aufkommen.

MJ: Es werden also nicht nur Spenden für den Hausbau selbst benötigt, sondern auch, um den Freiwilligen-Einsatz vor Ort zu sponsorn. Die könnten Unternehmen leisten – und so eventuell auch eigene Mitarbeiter bei deren sozialem Engagement unterstützen, oder?

Nadine: Ja, das wäre großartig! Bei unserem Projekt ist aber keiner von uns Freiwilligen von seinem Arbeitgeber unterstützt worden. Weder finanziell noch mit zusätzlichen Urlaubstagen. Einer von uns hätte von seinem Arbeitgeber aber vermutlich eine Spende erhalten, wenn er das Budget dafür früher angemeldet hätte. Für das kommende Jahr hat er es aber bereits avisiert und wir hoffen auf eine großzügige Spende.

MJ: Das würde das Unternehmen natürlich sehr sympathisch machen – auch als Arbeitgeber. Denkst Du persönlich, so eine Form von sozialer Corporate Responsibility könnte junge Leute wie Dich bei ihrer Entscheidung, für wen sie arbeiten, positiv beeinflussen?

Nadine: Die Unterstützung eines Arbeitgeber, egal ob in finanzieller Form oder durch zusätzliche Urlaubstage für solche Projekte ist in jedem Fall ein großes Plus. Ein Arbeitgeber demonstriert damit seine Anerkennung und Wertschätzung für seine Mitarbeiter. Zumal so ein “Urlaub” kein entspannender Strandurlaub ist, sondern harte körperliche Arbeit. Und noch dazu ja, wie in meinem Fall, mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden ist.

Als Mitarbeiter lernt man in solch einem Projekt so viel über die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Menschen anderer Kultur und Sprachen, dass meiner Meinung auch der Arbeitgeber davon profitiert. Ausserdem demonstrieren Arbeitnehmer bei so einem Projekt ja auch zu 100 Prozent, dass sie teamfähig sind. Wir neun Freiwilligen haben uns zu jeder Sekunde gegenseitig unterstützt,  immer aufeinander geachtet und so echte Teamstärke bewiesen.

MJ: Nun bist Du wieder zurück im Job und bei Deinem Arbeitsteam. Wie fühlst Du Dich nach Deinem Einsatz und hat er etwas in Deiner Perspektive auf Deinen (Arbeits-)Alltag verändert?

Nadine: Ich bin geflutet von positiven Gefühlen, von Dankbarkeit und habe viel über die Zulu-Kultur gelernt. Ich bin mir sicher, dass mir das wiederum bei meiner täglichen Arbeit in der Kommunikation mit den verschiedenen europäischen Ländern, ihren diversen Kulturen und Sprachen weiterhelfen wird. Ich habe gelernt, mich weniger über unwichtige Dinge zu ärgern und geduldiger in der Zusammenarbeit mit anderen Kulturen zu sein.

Eine andere interessante Erfahrung, die ich gemacht habe ist, dass in Südafrika sehr viel Autorität herrscht: zwischen farbigen und weißen Menschen, aber auch zwischen Arm und Reich. So etwas kennen wir Europäer nicht in der Form. Wir haben zwar immer einen Vorgesetzten, der die Verantwortung hat und eine finale Entscheidung fällt – der Umgang ist aber von gegenseitigem Respekt geprägt. Wir arbeiten wirklich miteinander und das ist etwas, das mir als Arbeitnehmerin unheimlich wichtig ist. Ich mag es, im Team zu arbeiten, von meinem Chef ernst genommen, gehört und respektiert zu werden.

MJ: Ein schönes Schlusswort! Team-Führung hat ja heutzutage tatsächlich immer weniger mit Autorität zu tun. Danke für das inspirierende Gespräch, Nadine!

Nadine: Danke Euch auch. Ich hoffe, das viele Leute diesen Blog lesen werden und sich dann entscheiden, auch zu helfen, wenn sie können – oder ihre Mitarbeiter dabei großzügig zu unterstützen.

Logistikern mit echtem Anpacker-Talent: Die 24-jährige Nadine Schmersahl arbeitet für ein internationales Transport und Logistik Unternehmen in Barcelona u.a. für die Division Road. Für ihr soziales Engagement hat sie sich extra Urlaub von ihren Aufgaben genommen.

Über Nathalie Wendt

Nathalie WendtNathalie Wendt ist freiberufliche Content und Social Media Managerin. Sie leitet die Redaktion des ManaJump Blogs und ist unser Allround-Profi für Text und Kommunikation.